Geschichte und Entwicklung

Die Geschichte und Entwicklung der Evang. Tagungsstätte Löwenstein

Vorgeschichte




Die Anfänge der ETL reichen bis ins Jahr 1963 zurück, als bei einem Grundsatzgespräch auf der Burg Stettenfels die Idee einer Tagungsstätte im Raum Heilbronn geboren wurde.

Der Plan zog Kreise und 5 weitere Kirchenbezirke schlossen sich dem Projekt einer nunmehr "gemeinsamen Tagungsstätte" an.

Die Zeit war günstig: nach dem Wiederaufbau der Nachkriegszeit setzte ein Neubauboom z.B. auch von Gemeindezentren ein. Kirche sollte keine "Sonntagvormittagsveranstaltung" sein, sondern vielfältige Angebote für verschiedene Gruppen und Kreise ermöglichen.

 

Unumstritten war das Projekt aber nicht. Sollten nicht lieber soziale Projekte, vorangebracht werden? Ist Erwachsenenbildung nicht ein unnötiger Luxus? Widerstand gab es auch gegen die Pläne der Militärseelsorge, sich mit einem Haus an der Tagungsstätte zu beteiligen. Sollte nicht besser die Friedensbewegung unterstützt werden?

Architektur


Die Anlage nach der Renovierung


Die Anlage der ETL ist wie einer Klosteranlage oder ein Dorf um ihre beiden Mittelpunkte herum gestaltet:

Der Brunnenhof symbolisiert Gott als den Quell des Lebens und die Kapelle ist der Ort der Gottesbegegnung in Stille, Gebet, Hören auf das Wort Gottes und Singen.





Als Gegengewicht zur exponierten Lage der Anlage mit dem herrlichen Ausblick wurde der "Kreuzgang" um den Innenhof zur Konzentration nach innen angelegt. Innen und außen, Besinnung auf das Wesentliche und Offenheit für die Welt - das sind die beiden Pole, die der Arbeit der ETL ihre Spannung und Würze verleihen.

Die Innenwände des Kreuzganges wurden von Anfang an für Kunstausstellungen genutzt. Die Allererste stand unter dem Thema "Friede und Aggression" und inspirierte viele Künstler, ebenfalls auszustellen.

Der Aufbau der Tagungsstätte und die ersten 30 Jahre




Es stellt sich die Frage, welcher Standort denn geeignet ist für ein solches Projekt? Nach einer längeren Suche des Planungskreises geben eine wunderschöne Aussicht über das Weinsberger Tal und ein traumhafter Sonnenuntergang schließlich den Ausschlag.

 

1966 wurde ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben, den das Stuttgarter Architekturbüro Fiedler & Aichele gewann. 1968 begannen die Bauarbeiten.

Neben der eigentlichen Tagungsstätte wurden ein Rüstheim für die Militärseelsorge (seit 1997 Haus 2 der Tagungsstätte) sowie verschiedene Unterkünfte für Mitarbeitende gebaut.




Zum 1. Juli 1971 war es soweit: Die Baumaßnahmen waren abgeschlossen und die ETL wurde in Betrieb genommen. Die Eröffnung stand an aber es stellte sich die Frage, wie dieser Anlass begangen werden sollte. Sollte ein großes Fest der Freude gefeiert werden? Oder wäre ein leiser Einstieg, gemäß der Bestimmung der Tagungsstätte als Ort der Besinnung und des ruhigen Gesprächs passender? Die Entscheidung fiel auf Letzteres. Bereits am 2. Juli startete der Tagungsbetrieb. Das Thema des Festgottesdienst zur Einweihung am 4. Juli war "Gott will Veränderung". Veränderung - dieses Thema zieht sich als ein Leitmotiv durch die gesamte Geschichte unseres Hauses.

 

Hauptsächliche Zielgruppen der Tagungsarbeit sind:

- Die Gemeindeleitung und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gemeinden

- Frauen

- Männer

- Familien

- Senioren und Seniorinnen

- Singles und Alleinerziehende

Welche inhaltlichen Themen und Entwicklungen prägten die Entstehung der ETL?

In den 1960-er Jahren erfolgte eine Rückbesinnung auf das "Priestertum aller Gläubigen". Die Bedeutung der Laien in der Gemeinde nahm zu. Laien, deren Selbstbewusstsein wuchs, sich als mündige Christen verstanden und eigenständig theologisch reflektieren und wachsen wollten. Das Interesse an einer "modernen", zeitgenössischen Theologie erwachte in den Gemeinden und regte zu spannenden Diskussionen an. So wurde die "Theologie für Nichttheologen" zu einem inhaltlichen Schwerpunkt der ETL.

 

Die Spiritualität wurde durch neue Formen bereichert. Neue Lieder hielten Einzug, neue Liturgien wurden erprobt, neue Elemente, wie z.B. Tanz, wurden integriert.

Die ETL wird als ein geeigneter Raum der Entwicklung, Erprobung und Gestaltung neuer liturgischer Formen und der Erfahrung einer lebendigen, lebensnahen Spiritualität konzipiert.

 

Der Horizont weitete sich in Richtung einer überkonfessionellen und weltweiten Ökumene. Im 2. Vatikanischen Konzil ( 1962-65 ) erfolgte eine Öffnung der katholischen Kirche. Die Pfingstkirchen und die Orthodoxen wurden in den Weltrat der Kirchen aufgenommen. Die lateinamerikanische Theologie begann, die etablierten Kirchen in Frage zu stellen.

Die ökumenische Diskussion ist von daher ein wesentliches Anliegen der ETL.

 

So fiel die "Geburt" der ETL in eine vielfältige Zeit des Aufbruchs und der Neugestaltung. Diese Entwicklung zu begleiten und mitzugestalten - eine lohnenswerte Aufgabe!

Fragen des Gemeindeaufbaus und theologische Themen sind dabei ebenso präsent wie Angebote zur Lebenshilfe und Lebensgestaltung. Daneben nimmt die musisch-kulturelle Bildung einen großen Raum ein. Ihr Anliegen ist es, neue Erfahrungen zu ermöglichen, die Freude am Gestalten zu wecken, neue Wege zu erschließen, für das, was jenseits der Sprache liegt, eine Ausdrucksmöglichkeit zu finden. Begegnung ermöglichen, im entspannten Gespräch Anregungen und neue Perspektiven gewinnen - dazu möchte unser Haus die Räume zur Verfügung stellen.





Die ETL als "Gemeindeakademie"

Die ETL soll die Arbeit in den Kirchengemeinden und den Kirchenbezirken ergänzen, fördern, bereichern und befruchten.

Die Gemeinden sind eingeladen, ihre Fragen, Themen, Wünsche, Anliegen und Bedürfnisse einzubringen.

Die ETL wiederum nimmt diese Anregungen auf und bietet Möglichkeiten des Umgangs und der Bearbeitung der Themen an.

So können neue Inspirationen und Impulse in die Gemeinden zurückwirken.

Durch vielfältige Begegnungsmöglichkeiten in der Tagungsstätte werden Kontakte neu geknüpft oder vertieft. Der Gemeindeaufbau wird lebendig.

 

Wesentliche Punkte des Dialogs und der "Methode Tagung" sind dabei:

 

- Wir nehmen uns Zeit und Raum für wichtige Themen - die sonst möglicherweise im "Alltagsgeschäft" untergehen würden.

- Wir sind dem Alltag mit seinen Anforderungen enthoben und dennoch in einer vertrauten Umgebung.

- Wir reden offen miteinander und stellen uns auch Meinungsverschiedenheiten und Konflikten.

- Wir packen auch "heiße Eisen" und brisante Themen an.

- Wir sind dabei, eine Gesprächskultur der Wertschätzung, Achtung und Toleranz zu entwickeln.

- Wir suchen die persönliche Entwicklung hin zu einem ruhigen und entspannten Gesprächsverhalten.

Entspannung in der wunderschönen Natur, Ruhe und Muße finde, eine Auszeit nehmen vom Alltag sind ebenfalls wesentliche Anliegen des Hauses.





Neben den hauseigenen Veranstaltungen ist die Gastfreundschaft vom Beginn an ein wesentlicher Grundwert der ETL. Gasttagungen öffentlicher Verwaltung, von Vereinen oder Unternehmen sind herzlich willkommen.

 

Der wichtigste Werbeträger der ETL ist seit der ersten Stunde die "Mund-zu-Mund-Propaganda". Öffentlich wirksam wird die ETL auch durch ihre Veröffentlichungen:

- Der Löwensteiner Brief

Schon vor der Eröffnung der Tagungsstätte wurde der 1. Brief versandt.

Die Briefe enthalten neben Informationen über das Haus auch Berichte von der Tagungsarbeit, Reiseberichte und Arbeitsmaterial für die Gruppenarbeit. Ab 1998 wird der Brief durch das Halbjahresprogramm ersetzt.

- Die Löwensteiner Materialdienste

stellen Arbeitsmaterialien und Broschüren zu verschiedenen Themen zusammen, die auch überregional, sogar im Ausland, verwendet werden.





Um- und Ausbauarbeiten ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der ETL. Das liegt zum einen an der sparsamen Grundplanung, zum anderen aber auch an zunehmendem Raumbedarf durch einen Wandel der Methoden in der Erwachsenenbildung: der persönliche Austausch in Kleingruppen nimmt immer größeren Raum ein.

 

Manche Themen wurden als relevant angesehen, angedacht und ausprobiert, fanden aber nicht die erhoffte Resonanz. Der Dialog mit den Muslimen blieb ein Fragment und das Angebot an Veranstaltungen zu gesellschaftlich relevanten Themen wurde schwach nachgefragt.

 

Einschneidende Veränderungen stellten die Arbeit der Tagungsstätte in Frage: zum einen wurde die kirchlichen Finanzmittel seit den 1990-er Jahren gekürzt, zum anderen schied die Militärseelsorge, die bislang ein Haus verwaltet hatte, 1997 aus. So fielen der Tagungsstätte 50 Betten zu, die belegt werden sollten.

 

Weniger Geld, mehr Arbeit - wie kann das gelingen? Und: wo wollen wir überhaupt hin?

Die große Krise. Neubesinnung. Veränderung. Weiterentwicklung.

Es wurde eine Zukunftswerkstatt eingerichtet. Bald war klar, dass vielfältige Veränderungen anstanden. Die Themen waren u.a.: Leitungsstruktur, inhaltliche Ausrichtung, Finanzierung, bauliche Erfordernisse.

Um diese zu bearbeiten, wurde professioneller Rat eingeholt. Aus den Angeboten mehrerer Beraterfirmen wurde die "denkfabrik 96" ausgewählt.

 

Aufgrund deren Gutachtens wurden ab 2001 unter anderem folgende Maßnahmen durchgeführt:

- eine bauliche Grundsanierung und Umgestaltung: Einzelnasszellen wurden eingebaut, der Eingangsbereich und der Empfang erweitert, der Speisesaal ausgebaut. Ein PC-Schulungsraum wurde eingerichtet.

- "Verjüngung" des Tagungsprogramms. Neue, auch jüngere und modernere Kreise sollten angesprochen werden.

- Die Leitungsstruktur wurde gestrafft, eine Doppelspitze von theologischem Leiter und Verwaltungsleiter 2002 eingeführt.

- Wirtschaftlichkeit und eine solide Finanzierung wurden in den Blick genommen.

 

Zunächst schienen die Maßnahmen hervorragend zu greifen, 2005 war das Jahr der Spitzenbelegung und der Spitzeneinnahmen. Doch daraufhin ging es rasant abwärts. 2008 war ein Rekord Defizit festzustellen. Was jetzt?

 

Da die Personalkosten den weitaus größten Anteil der Ausgaben ausmachen, bestand die Problemlösung vor allem darin, radikale Stellenkürzungen durchzuführen. Die Doppelspitze wurde 2009 wieder abgebaut, die Stelle des Bildungsreferenten und die Marketingstelle gestrichen. Ab 2010 setzte wieder ein Aufwärtstrend ein, so dass ein Jubiläum 2011 mit Zufriedenheit und Zuversicht gefeiert werden konnte.

40 Jahre ETL - und wohin jetzt?

Bildung ist auch künftig der zentrale Auftrag der ETL. Lust auf Bildung erwecken, Bildung lebendig und zukunftsweisend gestalten, das ist und bleibt unsere wichtigste Aufgabe. Eine Bildung, die in verschiedenen Spannungsfeldern steht. Eine Bildung, die Möglichkeiten erschließen und ausschöpfen will. In Ruhe und mit vielfältigen Anregungen einem Lebensthema nachgehen könne, persönlich angesprochen werden - das erwarten unsere Gäste von der ETL. Sie möchten als Menschen wahr- und ernstgenommen werden.

 

Die Bildung soll " in ökumenischem Horizont" erfolgen und folgende Schwerpunkte umfassen:

 

1. Spiritualität

So wurde z.B. das Friedensgebet und das Gebet der Versöhnung eingeführt, außerdem wurde die ETL, Teil der Nagelkreuz-Gemeinschaft.

 

2. Seelsorge

Bildungsarbeit ist für uns auch Seelsorge, geistliches Wachstum und Selbstbildung. Entwicklung der eigenen Gaben, Fähigkeiten und der eigenen Persönlichkeit.

 

3. Religionspädagogik

Es geht darum, Wissen und Erfahrung vielfältig und kreativ weiterzugeben.

 

4. Gemeindepädagogik

Gemeinden werden weiterhin in ihrem Wirken unterstützt und begleitet.

 

5. Dialog mit Wirtschaft, Gesellschaft und anderen Religionen

Wie können die Würde des Menschen und eine Werteorientierung in einer globalisierten und multikulturellen Welt verwirklicht werden?

Welches ist nun das Selbstverständnis der ETL?

Die ursprüngliche Konzeption: Die ETL als ein "Haus der Begegnung"

 

"Begegnung" in all ihren Dimensionen war und ist das zentrale Anliegen unseres Hauses. Begegnung mit sich selbst, mit anderen Menschen und mit Gott - und natürlich auch mit der herrlichen Natur, die die Tagungsstätte umgibt. Verschiedene Meinungen und Stimmen werden gehört, respektiert und offen diskutiert.







Ein wichtiges Ziel für die Zukunft ist die Erschließung neuer Themen und Zielgruppen. So sollen insbesondere Menschen in der Lebensmitte und spirituell Suchende angesprochen werden.

Ein weiteres Anliegen unserer Arbeit ist es, uns ständig weiter zu entwickeln, uns in allen Bereichen laufend zu verbessern und unseren Service zu optimieren.

Wie wird sich unsere Arbeit in Zukunft gestalten? Welche neuen Perspektiven werden sich auftun? Welchen neuen Herausforderungen werden wir uns stellen müssen?

Wir dürfen gespannt sein.

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